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Meinen Urlaub verbrachte ich in Mailand, Genua und Viareggio. Da sich die Mannschaft von Genoa während meines Aufenthalts nicht in Genua, sondern in Castel di Sangro in den Abruzzen befand, machte sich doch ein klein wenig Enttäuschung breit. In der Gazzetta dello Sport kam wenig später dann doch eine erfreuliche Nachricht. Genoa bestreitet ein Testspiel in Carrara, etwa 40 Minuten von Viareggio entfernt.
Also machte ich mich dann paar Tage später auf den Weg nach Carrara. Zuerst Mal die Zugfahrt und dann noch eine gute halbe Stunde vom Bahnhof zum Stadion. Beim Stadion angekommen war ich anfangs etwas verwundert. Wo sind denn die Fans? Am Vortag sah ich noch ein Spiel zwischen Esperia Viareggio und Fiorentina im fast ausverkauften Stadio dei Pini. Darunter hunderte Fans der Viola, viele aus der Region aber auch einige, die aus aus Florenz angereist sind. Doch in Carrara waren kaum Genoani zu finden. Nur eine Familie in rot-blauen Dressen kamen mir entgegen. Zwei Ultras von Genoa, angezogen mit Shirts der G.A.V 2003 plauderten mit einigen Fans aus Carrara, angezogen mit gelben Shirts mit der Aufschrift “Ultras Carrara” oder “Curva Nord Carrara”. Man merkte sofort: Hier stand ein Hochrisikospiel an. Und wirklich, vor dem Stadion herrschte ein sehr hohes Polizeiaufgebot, zusätzlich wurden sogar Straßensperren eingerichtet. Vermutlich damit die Ultras der beiden Mannschaften, die gerade gemütlich miteinander redeten, nicht aufeinandertreffen. Aufgrund des ziemlich beschaulichen Zuschauerandrangs musste ich mich nicht lange um Tickets anstellen. Ab geht’s in die Genoa-Kurve. Dachte ich zumindest. Gelandet bin ich in irgendeiner Kurve auf der Gegengerade, wo sich einige Fans von Carrara befanden. Ist ja auch egal. Im selben Sektor befanden sich zufälligerweise auch meine beiden “Sitznachbarn” vom Spiel Viareggio gegen Fiorentina. Wahrscheinlich zwei ähnlich fußballgeschädigte wie ich. Zuerst wurde mir noch der Stöpsel von der Wasserflasche abgenommen, dann war ich im Stadion. Und was für ein Stadion das war. Baustil Serie C2. Und selbst dort wäre es noch eines der weniger schönen Stadien. Ein Oval mit einer überdachten Haupttribüne, als Fans sitzt man gefühlte Lichtjahre vom Spielfeld entfernt. Trotzdem war mir das Stadion irgendwie sympathisch. Auf der einen Seite etwa 20 Ultras von Carrara, auf der anderen Seite vielleicht 10 Ultras von Genoa, die sich hinter einem großen Banner mit der Aufschrift “Diffidati” (Ausgesperrte, also Stadionverbotler) aufstellten. Von den Heimfans wurden sie gleich mit einem freundlichen “Diffidati sempre presenti” (Stadionverbotler immer dabei) begrüßt, von den Genoani klatschte es Beifall. Während des Spiels wiederholte sich diese Szene noch paar Mal. Die Ultras von Carrara machten in Anbetracht ihrer Anzahl und der Wichtigkeit dieses Spiels einen ganz guten Support. Die 10 Leute hinter dem Diffidati-Banner fielen nur wenig mit ihrem “Diffidati sempre presenti” und “Diffidati con noi” auf. Unterstützung für die Mannschaft gab es keine.

Genoa reiste ohne Immobile, Jorquera und Zé Eduardo nach Carrara. In der ersten Halbzeit durften junge Spieler wie Zima, Alhassan und Said ran. Das Spiel war leider nicht sehr unterhaltsam. Die spannendste Szene war, als sich eine Hornisse auf den Fuß des Mannes neben mir setze, der erst nach mehreren Hinweisen von mir reagierte. Hektisch schüttelte er sie ab, sein Nachbar dagegen blieb cool und zertrat die Hornisse mit seinen Flip Flops. Carrarese war bemüht, doch der Klassenunterschied war klar zu merken. Mit nur einem Pass auf Jankovic wurde fast die ganze Abwehr überwunden. Kurze Zeit später wieder ein Pass auf Jankovic, der Serbe kann den Ball gerade noch vor der Toroutlinie erreichen und legt ihn mit der Ferse auf Antonelli. Flanke in die Mitte und Tor von Said. Nach dem Tor stellte Genoa den Betrieb zum Großteil ein, die Halbzeit wurde mit wenig Aufwand zu Ende gespielt. In der Halbzeit wurde die komplette Mannschaft ausgewechselt. Unter anderem spielten jetzt Gilardino, Rossi, Bertolacci, Canini und Simic von der Primavera. Die positive Überraschung war Olivera. Der kleine Rechtsaußen war ständig in Bewegung und anspielbar. Die zweite Halbzeit verlief sehr ähnlich zur ersten Halbzeit. Genoa machte 10 Minuten druck, erzielte ein Tor und spielte den Rest der Zeit mit Halbgas runter. Dieses Mal erzielte Marco Rossi das Tor. Die Riesenchance auf das 3:0 vergab Gilardino. Später scheiterte Gila erneut mit einem sehenswerten Fallrückzieher.